Fussball in einer kleinen Nebenrolle


Am 20. September war der in Olten wohnende Mundartschriftsteller Pedro Lenz in der Gemeindebibliothek zu Gast. Auf Einladung der Kultur- und Bibliothekskommission hat Lenz Passagen aus seinem bisher bekanntesten Buch «Der Goalie bin ig» vorgetragen. Enttäuscht von der Lesung waren höchstens jene Besucher, die eine Abhandlung über Fussball erwartet hatten.

von Franziska Henzi

Denn Fussball als Spiel ist nicht der Hauptakteur von Lenz' Roman, sondern Ernst, ein frisch aus der Strafanstalt entlassener Drogendealer, der versucht, im "normalen Leben" wieder Fuss zu fassen. Für Ernst ein schwieriges Unterfangen, das den Fussball in eine kleine Nebenrolle drängt. Dem Spiel mit dem runden Leder, das er während der Schulzeit mit anderen Schulkameraden gespielt hat, nachher aber nicht mehr, verdankt der Hauptakteur nur seinen Übernamen "Goalie". Und auch dieser Übername selbst hat nichts mit Ernsts Position beim Fussballspielen zu tun, wie der Leser mit fortschreitender Erzählung merkt.

Sympathischer Schweizer Dialekt
Also kein eigentlicher Torhüter, sondern ein Ex-Drogendealer und – nach der Entlassung aus der Strafanstalt – Ausläufer in einer Druckerei, Frisch-Verliebter und Geschichtenerzähler. Seine "Herzdame" gibt ihm ob der vielen Geschichten, die er ihr erzählt, zu verstehen, er sei "e blöde Lafericheib". Tatsächlich spricht der Goalie während des ganzen Romans so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, nämlich Berndeutsch. "Der Goalie bin ig" ist ein einziger Monolog und komplett in diesem sympathischen Schweizer Dialekt abgefasst. Berndeutsch ist natürlich auch der Dialekt von Pedro Lenz selber, und mit dem, was der Autor seinen Lesern auf rund 190 Seiten präsentiert, verleiht er dem Berndeutschen etwas Leierhaftes, das manchmal schier nicht aufhören will, dem Atem raubt und immer wieder zum Lachen anregt.

Eine humorvolle Note
Während der Lesung in der gut angefüllten Gemeindebibliothek dürfte denn auch der eine oder andere Besucher versucht gewesen sein, dem Autor wegen dessen rasantem Vorlesetempo entgegenzurufen: "Schnuufe, Lenz, schnuufe!" Genauso wie sein Hauptakteur Goalie lebt auch Pedro Lenz im Erzählen und gibt dem Ganzen mit erfrischender Mimik eine humorvolle Note. Das ist erstaunlich, da man während des ganzen Romans immer wieder an die Ernsthaftigkeit des "normalen Lebens" erinnert wird. Zu dieser Ernsthaftigkeit gehört zum Beispiel, dass man – kaum in der Freiheit zurück – von Amor's Pfeil getroffen wird. Oder plötzlich erkrankt ein langjähriger Freund. Wieder später wird man mit der "gottvergessenen Einsamkeit" konfrontiert oder von der eigenen Vergangenheit eingeholt. Und nicht zuletzt, als wenn's nicht weiter schlimm wäre, ergeben sich Beziehungsprobleme, die in keinem normalen Leben fehlen.

Die Lesung mit Pedro Lenz war ein gelungener Start in die Dulliker Kultursaison 2011/2012. Schade, dass keine Besucher im Schulalter in die Bibliothek gekommen sind. Denn gerade für sie hätte der Autor einen brauchbaren Tipp auf Lager gehabt. Auf seine Berndeutsche Mundart im Text angesprochen, meinte Lenz grinsend: "Was einem die Lehrer im Aufsatz rausstreichen, kann man nachher in der Literatur wieder brauchen!"


Quelle: Eusi Gmein-Eusi Schuel Nr. 4 / 2011